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Atembewegung

[Vegetativum] [Psychotonus] [Chinesische Meridianlehre] [Atemgestalten] [Atempsychologie]

Im jeweiligen SpannungsgefĂŒge des mehr oder weniger dehnbaren und elastischen Gewebes fließt die Atem- bewegung als empfindbare Strömungswelle ĂŒber die eigentliche Atemmuskulatur (das Zwerchfell und die Zwi- schenrippen-Muskulatur) hinaus. Da ĂŒber einhundertzwanzig Muskel an der Bewegung beteiligt sind, die beim Atmen entsteht, kann diese den gesamten Körper bis in jede einzelne Zelle hinein erfassen. Falls wir genĂŒgend durchlĂ€ssig sind, atmen wir im Fuß, im Kopf oder in den Fingerspitzen. Das indische Yoga kennt das Prana. In der chinesischen Meridianlehre ist die Atembewegung als Ch’i symbolisiert. In der neueren Alternativmedizin oder in manchen Körperpsychotherapien wird von Energie gesprochen.

Die Atembewegung reguliert einerseits die geweblichen SpannungsverhĂ€ltnisse und die Sensorik. Die vegeta- tive TĂ€tigkeit der Organe und die Bewegung der KreislĂ€ufe des Blutes und der Lymphe sowie der muskulĂ€re Haltungsapparat sind eng mit der rhythmischen Bewegung verknĂŒpft, die beim Atmen entsteht. Ihr Verlauf wird andererseits durch die geringsten Reize und Informationsströme, dem Befinden und Empfinden, dem FĂŒhlen und GefĂŒhl, dem Wahrnehmen und Denken sowie dem muskeltonischen Gesamthabitus bestimmt. Jenseits der wissenschaftlichen Herangehensweise, welche durch die physiologischen, anatomischen und neurologischen Funktionseinheiten orientiert wird, treffen wir auf das Lebendige. Denn die Atembewegung dient keineswegs nur der Atemfunktion der Sauerstoffaufnahmen und der Abgabe der gasigen Stoffwechsel- produkte. In ihrer dreidimensionale Bewegungsweise des Weit- und Schmalwerden wirkt sie darĂŒber hinaus als vitaler Antrieb. Sie verlĂ€uft außerdem dynamisch. Und keineswegs zuletzt ist sie energetisch gegliedert und birgt darin sich entfaltende Strukturgesetze. Ob und wie ein Mensch die biologisch angelegte Tendenz zur Vollatembewegung zu realisieren vermag, ob seine Atembewegung variabel fließt, ob sie weit und fĂŒllig ist und ob sie sich in vielfĂ€ltigen Schichten verdichtet und in den verschiedenen AtemrĂ€umen zu zentrieren vermag, ist eine Frage des Lebens, der individuellen Biografie und vielen außerhalb seiner Person liegenden Hindernissen und WiderstĂ€nden. Jedenfalls sind in der Vollatembewegung Strukturgesetzlichkeiten angelegt, die sich im wechselhafter Aufbau von “Atemgestalten” (Markus Fußer) realisieren. Die Atembewegung erfĂ€hrt ihre Lebendigkeit durch informative Resonanzbeziehungen, ĂŒber welche das Innen auf das Außen wirkt und das Außen am Innen arbeitet. Diesem leiblichen Charakter der Atembewegung verdankt sich das “Befinden” in einem gestimmten Raum.

Wir können im Sinne von Helmuth Plessner, einem der BegrĂŒnder der Anthropologischen Philosophie, in der Atembewegung jenes dem Bewusstsein vorhergehende „dritte Reich“ entdecken, in dem körperliche Kreis- laufprozesse und symbolische Ereignisse ineinander ĂŒbergehen. FĂŒr Gustav Richard Heyer war die Atem- bewegung das biologische Formbildungsprinzip, ĂŒber welche das Seelische in den Körper eingeht. FĂŒr den Heidelberger psychosomatischen Kliniker und Psychoanalytiker Paul Christian war die Atembewegung eine „Verhaltensweise“. Und nach dem niederlĂ€ndischen Biologen und Psychologen Frederik Buytendijk, dem namhaften Vertreter des anthropologischen Denkens in der Physiologie, stellt sich mit der Bedeutung, der Empfindungen, welche die Atembewegung auslöst, die „eigentliche anthropologische Frage“, auf die es bis heute (fast) “keine wissenschaftliche Antwort gibt”.

mehr:  

     Zum Begriff des “Befindens”

     Zur Unterscheidung von Körper und Leib

     Die Atembewegung. Wie der Körper zum Leib wird

     Die Atembewegung als Schwingung

     Kritisches zum gebrĂ€uchlichen Energiebegriff in der Alernativmedizin