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Die menschenkundliche Atemgestalt

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Dem menschlichen Organismus wohnt eine Tendenz zur Vollatembewegung inne, die durch Atemgestalten realisiert wird, die dem Ablauf der jeweiligen sozialen Situation angemessen sind.  Im wechselnden Aufbau von Atemgestalten organisiert sich jene sensorische GrundaktivitĂ€t, welche den verschiedenen SinnestĂ€tigkeiten die zusammenhaltende Einheit in den Maßen spendet, wie der Mensch eine personale Mitte im sensorischen Ver- hĂ€ltnis zwischen Innen- und Außenraum findet. Der Formzerfall der Atembewegung kann diese Einheit bis hin zum auftretenden Extrem der Geisteskrankheit zerbrechen.

Das thematisch orientierte Übungsensemble des Erfahrbaren Atems von Ilse Middendorf orientiert sich am Auf- bau von Atemgestalten. Die Atemgestalt Hintergrund etwa dient der individuellen Horizontbildung in einem sozia- len Zusammenhang, welche selbstverstĂ€ndliches Tun gewĂ€hrleistet. In ihr sind die Atemmaße des Ausdehnen in einem Raum. Dieses kann zurĂŒckgenommen sein. Das Sich-breitmachen ist seine Überdehnung, die dem anderen die Luft nimmt. Die Atemgestalt Positionierung im vital-sensorischen Bewegungsraum ist die Grundlage jeder HandlungsfĂ€higkeit und des Niederlassen in seinen eigenen KrĂ€ften. Im Zusammenspiel der Atemgestalten Hintergrund und Positio- nierung ist man zu etwas in der Lage. Den entsprechenden Muskeltonus nennt man Lagetonus. Die Atemgestalt Ichkraft ist der sensorische Grund der Entscheidung, quasi der in der neueren Hirnforschung vermutete, aber nicht dingfest gemachte „körperliche Maker“ (Antonio Damasio). Die Atemgestalt Zentrierung baut sich auf der Positionierung auf und trĂ€gt die FĂ€higkeit, in Ruhe und Gelassenheit seine Angelegenheiten anzugehen und sich nicht von gelegentlichen Reizen ablenken oder von beeintrĂ€chtigenden Ereignissen aus der Bahn werfen zu lassen. Die Atemgestalt Wurzelkraft verankert die Person in ihrem familiĂ€ren oder sozialen Untergrund. Auch sie spendet Standfestigkeiten aus einem Kollek- tivgrund. Über die Atemgestalt Nabelfeld reguliert sich das VerhĂ€ltnis von NĂ€he und Distanz. Liebesbeziehungen, Partnerschaften und Kooperationen sowie die Maße des individuellen Nach-vorne-tretens laufen ĂŒber diese, den Vordergrund energetisch ladende Atemkraft.  Die Atemgestalt Herzkraft ergĂ€nzt die Nabelfeldregulation und trĂ€gt das Mitgehen mit dem anderen und realisiert endlich die offene Haltung des gesunden Menschen. Und die Atem- gestalt Mitte rundet die Substanzbildung der Person im Atem, die einen sensorischen Sinnenraum zwischen Innen- und Außenwelt aufzubauen hat. Die darin gefundene personale Mitte erweist ihre Bedeutung schließlich in der FĂ€higkeit, geduldig zu sein und abwarten zu können, um gelassenen in eine sich bietende Situation einzu- treten.

Mit dem Begriff der Atemgestalt, den Markus Fußer geprĂ€gt hat, soll das Formprinzip des Lebendigen erfasst werden, durch das hindurch Materielles und Ideelles, Körperliches und Seelisches, Objektives und Subjektives, Biologisches und Soziales ineinander ĂŒbergehen. Atemgestalten stellen das Immunsystem gegenĂŒber belasten- de InformationseinflĂŒsse dar. Indem wir sehen, dass ihr Aufbau oder ihr Ausfall verantwortet, wie wir „In-der-Welt“ (Martin Heidegger) sind, stoßen wir auf den existenziellen Sinn der Atemarbeit.

     Atembewegung als Bildner des sensorischen Raums

     Atemgestalt als biologisches Prinzip

     Notizen zu den Atemgestalten Hintergrund, Ichkraft, Nabelfeld und Leibgrenze, Positionierung,
         Wurzelkraft etc

Eine detaillierte Interpretation bis hinein in den Sinn der einzelnen Übungsschritte finden Sie exemplarisch dargelegt in dem Aufsatz von Markus Fußer:

     Das Lampenfieber als Atemgestalt in: “Der atembewegte Leib”, Atemraum Verlag

Ebenfalls eine detaillierte Beschreibung und theoretische Durchdringung der Bewegungsarbeit in der Gruppe finden Sie unter

     Über die vielfĂ€ltigen AtemzugĂ€nge in der Gruppenarbeit

     Eine weitere Auskunft ĂŒber den Begriff der Atemgestalt gibt der Aufsatz von Markus Fußer
         “Die Atembewegung” im “Handbuch der Körperpsychotherapie”, das im Schattauer Verlag, Stuttgart 2006,
         erschienen ist.